Allgemeine Informationen
Hernienchirurgie
Unter Hernien (Brüche) versteht man Ausstülpungen des Bauchfells durch präformierte Lücken oder durch im Laufe des Lebens entstandene erworbene Lücken. Als Beispiel für präformierte Lücken sei hier der Leistenkanal des Mannes oder der Frau erwähnt, als erworbene Lücken zum Beispiel Schwachstellen in Narben nach Bauchoperationen.
Einige der häufigsten Hernienformen sind im Folgenden aufgeführt.
- Leistenhernien
- Nabelhernien
- Schenkelhernien
- Epigastrische Hernien
- Narbenhernien
Die Entstehung einer Hernie kann verschiedene Ursachen wie zum Beispiel die Erhöhung des Bauchinnendrucks (Obstipation, Bauchwasser, Schwangerschaft, Adipositas etc.), ein stattgehabtes Bauchtrauma mit Verlust der Bauchdeckenfestigkeit oder das zunehmende Lebensalter mit Störungen im Stoffwechsel des Bindegewebes haben. Insgesamt ist man jedoch der Meinung, dass die Entstehung von Hernien ein multifaktorielles Geschehen darstellt und nicht auf alleinige Ursachen zurückgeführt werden kann.
Schwerpunkte
Im Weiteren gehen wir nun auf die einzelnen Therapieverfahren ein, die wir in unserer Praxis durchführen.
Hernienchirurgie
Leistenhernie
Die Leistenhernie ist die weitaus häufigste Form der Bruchbildung. In unserer Praxisklinik kommen im Rahmen der Therapie zwei Verfahren zur Anwendung:
- Shouldice-Verfahren (ohne Implantation eines Kunststoffnetzes)
- Lichtenstein-Verfahren (mit Implantation eines Kunststoffnetzes)
Bei der Erstvorstellung in unserer Praxisklinik legen wir für Sie das maßgeschneiderte Therapieverfahren fest. In die Entscheidung über das passende Therapieverfahren werden persönliche Einflüsse des Patienten wie Alter, Beruf, allgemeiner Gesundheitszustand sowie Belastungsfähigkeit im Alltag mit einbezogen. Aus medizinischer Sicht spielt die Größe und Schwere des Befundes für die Auswahl des geeigneten Verfahrens eine entscheidende Rolle.
Nach Festlegung des Therapieverfahrens werden Sie im Aufklärungsgespräch über mögliche postoperative Komplikationen hingewiesen wie zum Beispiel die Thrombose und die Embolie (< 1%), Wundinfekte (< 1%), Verletzungen des Samenstranges mit Hodenschädigung (< 1 %), Nervenirritationen (< 2%) sowie die Rezidivhernie (2-5 %), die jedoch als äußerst selten anzusehen sind.
Shouldice-Verfahren
Beim Shouldice-Verfahren handelt es sich um ein Verfahren ohne Implantation von Fremdmaterialien. Die Festigkeit des Leistenkanals, speziell der Leistenkanalhinterwand, resultiert aus einer Dopplung (dadurch auch Raffung) der erschlafften Gewebeschichten. Zur Verwendung kommt dazu Nahtmaterial aus Kunststoff, welches vom Körper nicht abgebaut wird.
Geeignet ist diese Methode hauptsächlich für jüngere Patienten (< 45 Jahre), die noch eine stabile Festigkeit von Bindegwebs- und Muskelschichten aufweisen. Zur Anwendung kommt diese Methode bei kleinen und großen Bruchlücken.
Die Rezidivrate (Wiederkehr des Bruches) liegt bei diesem Verfahren zwischen 2 und 5 % und ist somit als hervorragend einzustufen. Allgemein hat sich das Shouldice-Verfahren in den letzten Jahrzehnten als Gold-Standard durchgesetzt. Aktuelle Untersuchungsreihen zu Operationsverfahren mit Implantation von Kunststoffnetzen, deren Beobachtungszeiträume deutlich kürzer sind als beim Shouldice-Verfahren, werden diese Meinung kritisch überprüfen.
Von Seiten der postoperativen Belastungsfähigkeit empfehlen wir unseren Patienten eine körperliche Schonung mit schrittweisem Aufbau bis hin zur Vollbelastung über 8-12 Wochen.
Lichtenstein-Verfahren
Beim Lichtenstein-Verfahren wird die Bruchlücke durch eine fortlaufende Naht verschlossen. Die abschließende Stabilisierung der Leistenkanalhinterwand wird erzielt durch das Aufbringen eines Kunststoffnetzes, welches durch Nähte befestigt wird und die Bruchlücke in seiner Größe deutlich überragt. Dieses Kunststoffnetz ist nahezu nicht dehnungsfähig, bildet mit der Umgebung eine stabile, narbige Einheit und verhindert so das Hervortreten des ehemaligen Bruches. Als Vorteil dieser Methode ist sicher der spannungsfreie Bruchlückenverschluß anzusehen (keine Raffung der Gewebeschichten), der postoperativ die Schmerzintensität vermindern kann.
Geeignet ist diese Methode für ältere Patienten (> 45 Jahre) mit größeren Bruchlücken sowie für jüngere Patienten, deren Belastbarkeit wieder zügig gewährleistet werden muss.
Die Rezidivrate dieses Verfahrens ist mit der des Shouldice-Verfahrens vergleichbar und somit auch als hervorragend einzustufen. Vereinzelt können durch die Kunststoffnetze Irritationen an bestimmten Bauchdeckennerven der Leistenregion auftreten, die durch lokale Maßnahmen gut zu beherrschen sind. Eine spezielle Schädigung des Patienten durch das Netzmaterial als Implantat ist nicht gegeben.
Die körperliche Belastungsfähigkeit ist bei dieser Methode nach 14 Tagen vollständig wiederhergestellt und bietet somit einen erheblichen Vorteil gegenüber dem Shouldice-Verfahren.
Nabelhernie
Die Nabelhernie ist es sich um die zweithäufigste Form der Bruchbildung. Es handelt sich hierbei um einen umschriebenen runden Defekt im Nabelbereich mit einer deutlichen Vorwölbung des Nabels nach aussen.
Im Rahmen der operativen Therapie werden in unserer Praxisklinik zwei Verfahren angewendet:
- Direkter Bruchlückenverschluß (ohne Implantation eines Kunststoffnetzes)
- Bruchlückenverschluß durch Aufbringen eines Kunsstoffnetzes in Inlay – Technik
Bei Ihrer Erstvorstellung in unserer Praxisklinik mit Diagnoseerhebung legen wir das geeignete Therapieverfahren für Sie fest. In die Entscheidungsfindung fließen wir bei der Leistenhernien-Chirurgie persönliche Einflüsse wie Alter, Beruf, Allgemeinzustand und Belastungsfähigkeit sowie medizinische Kriterien wir Größe und Schwere des Befundes mit ein.
Nach Festlegung des Therapieverfahrens erfolgt das persönliche Aufklärungsgespräch mit Hinweis über postoperative mögliche Komplikationen wie die Thrombose und die Embolie (< 1 %), Wundinfekte (< 2-5 %), Verletzungen von Organen des Bauchraumes (< 1%) sowie die Rezidivhernie (5 %).
Direkter Bruchlückenverschluss
Hierbei wird die Bruchlücke durch eine fortlaufende Naht aus Kunststoff im Sinne einer Raffung verschlossen.
Geeignet ist diese Methode für jüngere Patienten (< 45 Jahren) mit stabiler Festigkeit des Binde- und Muskelgewebes sowie für kleinere Bruchlücken bis zu einer Größe von ca. 2 cm.
Die postoperative Belastungsfähigkeit ist in vollem Umfang nach 6-8 Wochen wiederhergestellt.
Bruchlückenverschluss durch aufbringen eines Kunststoffnetzes in Inlay-Technik
Bei dieser Methode erfolgt der Bruchlückenverschluß ebenfalls ähnlich dem des direkten Verfahrens. Primär wird jedoch durch das Aufbringen eines Kunststoffnetzes auf die Bauchdeckeninnenseite (inlay) mit deutlichem Überragen der Bruchlücke eine solide Stabilität hergestellt. Das Implantat wird in Form einer Netzplombe (Plug) durch die Bruchlücke in die Bauchhöhle eingebracht und entfaltet an der Bauchdeckeninnenseite großflächig seine Haftung, die mittels Nähten verstärkt ist.
Geeignet ist diese Methode für ältere Patienten (> 45 Jahren) mit großen Bruchlücken sowie für jüngere Patienten, deren Belastbarkeit wider zügig gewährleistet werden muss.
Die vollständige Belastungsfähigkeit ist ebenfalls nach 14 Tagen gegeben.
Ansprechpartner

Dr. med. Andre Freese
Dr. Freese persönlich
Geboren:
- Oktober 1969
Studium der Humanmedizin:
- 1990 – 1996 an der RWTH Aachen
Facharztausbildung:
- Luisenhospital Aachen, Chirurgische Klinik (Chefarzt: Prof. Dr. G. Müller)
Qualifikation:
- Facharzt für Chirurgie 2002
- Zusatzbezeichnung Proktologie 2008
Tätigkeit:
- 1997 Assistenzarzt der Chirurgischen Klinik, Luisenhospital Aachen
- 2005 Oberarzt der Chirurgischen Klinik, Luisenhospital Aachen
- 2008 Teilniederlassung als Chirurg, MVZ Chirurgie Aachen
- 2008 Geschäftsführer, MVZ Chirurgie Aachen
- 2010 Ärztlicher Leiter Schilddrüsenzentrum, Luisenhospital Aachen
- 2012 Ärztlicher Leiter Euregio-Hernienzentrum mit Prof. Dr. Reinhard Kasperk in Kooperation mit dem Luisenhospital
- 2014 Vorstandsvorsitzender des Fördervereins „Freunde und Förderer des Luisenhospitals e.V.
Mitgliedschaft:
- Berufsverband der Deutscher Chirurgen (BDC)
- Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV)
- Chirurgische Arbeitsgemeinschaft Endokrinologie (CAEK)
Sprechstunde
| Dienstag | 13:00 bis 15:00 Uhr Schilddrüsensprechstunde und nach Vereinbarung |
| Donnerstag | 08:00 bis 12:00 Uhr Herniensprechstunde nach Vereinbarung 13:00 bis 16:30 Uhr Schilddrüsensprechstunde und nach Vereinbarung |
| Freitag | 08:00 bis 12:00 Uhr Herniensprechstunde und nach Vereinbarung |